Teufelskreis: schlechte Bonität und Score-Bewertung

Schufa und anderen privaten Auskunfteien den Riegel vorschieben – Bemerkungen zur Initiative der LINKEN im Bundestag, von Valentin Schulte, Berlin, Volkswirt, stud. iur., bei Dr. Schulte Rechtsanwalt.

“Die Schufa – mehr Macht als die Schwiegermutter”, ein Beitrag von Dr. Schulte, Rechtsanwalt wird seit Jahren fleißig auf der Internetseite dr-schulte.de. abgerufen und gelesen. Auch politisch wird das Tun der Schufa immer wieder kritisch beäugt. Die daraus folgenden juristischen Reibereien sind tägliche Praxis bei Dr. Schulte Rechtsanwalt.

Die Macht der Bonitäts- und Score-Bewertung

Private Auskunfteien, darunter vor allem die Marktführerin Schufa Holding AG mit alleine Daten von 67,9 Millionen Privatpersonen, haben erheblichen Einfluss auf alle zentralen Lebensbereiche der Menschen in Deutschland und damit auf die Sicherung des menschenwürdigen Existenzminimums, dessen grundrechtliche Garantie aus Art. 1 Abs. 1 GG in Verbindung mit Art. 20 Abs. 1 GG sowohl „die physische Existenz des Menschen, also Nahrung, Kleidung, Hausrat, Unterkunft, Heizung, Hygiene und Gesundheit, als auch die Sicherung der Möglichkeit zur Pflege zwischenmenschlicher Beziehungen und zu einem Mindestmaß an Teilhabe am gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Leben umfasst […].“ (BVerfG, Urteil vom 9. Februar 2010, 1 BvL 1/09, 1 BvL 3/09, 1 BvL 4/09, Rn. 135.) besteht. Auch ein Handyvertrag kann in der heutigen Zeit wohl zur Sicherung des Existenzminimums angesehen werden. So ist man ohne diesen sowohl privat, als auch beruflich von zwischenmenschlichen Beziehungen ausgeschlossen. Hier stellt sich die Frage der Verhältnismäßigkeit.

Bonität bestimmt Vertragsabschlüsse und Konditionen

Valentin Markus Schulte / Kanzlei Dr. Thomas SchulteHeutzutage ist es faktisch so, dass Bonitätsbewertungen über den ursprünglichen Zweck dieser – die Kreditabsicherung hinausgehen. Insbesondere bei Rechtsgeschäften des täglichen Lebens bei denen Verbraucher eine monatliche Verpflichtung eingehen (bspw. Handy- oder Mietvertrag) hängt die Entscheidung vonseiten des Unternehmens meist vom Schufa Score ab. Dem Verbraucher werden also elementare Bedürfnisse, wie Kommunikation oder eine Wohnung verwehrt. Es kann zu einem Teufelskreislauf kommen, der am Ende von den sozialen Sicherungssystemen aufgefangen werden muss. Dies kann, weder im Interesse des Staates noch im Interesse der Unternehmen noch im Interesse der Bürger sein.

Stärkung der Verbraucher durch strengere Kontrollen

Im Antrag der LINKEN wird gefordert, dass privatwirtschaftliche Unternehmen, wie die Schufa Holding AG, von den Datenschutzaufsichtsbehörden strenger kontrolliert werden sollen. Eine wichtige Rolle soll dabei insbesondere die Berechnung des Schufa Scores spielen, sodass hier Willkür und Fehler vonseiten der Schufa besser überprüft und gegebenenfalls abgestellt werden können.

Der Antrag der LINKEN scheint in diesem Fall ein wichtiges Thema anzusprechen, jedoch wird davon ausgegangen, dass er aufgrund der Einschätzung anderer Fraktionen nicht über den Status einer Initiative hinausgehen wird.

Betroffenen steht somit weiterhin für das Vorgehen gegen die Schufa der außergerichtliche und gerichtliche Weg mittels eines Rechtsanwalts, der den Einzelfall prüft, offen.

V.i.S.d.P.:

Valentin Markus Schulte
Volkswirt, stud. iur

 

Englische Übersetzung:

Vicious circle: poor creditworthiness and score assessment

Put a stop to Schufa and other private credit agencies – comments on the initiative of the LEFT party in the Bundestag, by Valentin Schulte, Berlin, economist, stud. iur., with Dr. Schulte attorney.

“The Schufa – more power than the mother-in-law”, a contribution of Dr. Schulte, attorney is called up and read for years diligently on the Internet side dr-schulte.de. Also politically the doing of the Schufa is eyed again and again critically. The resulting legal friction is daily practice at Dr. Schulte, Attorney at Law.

The power of creditworthiness and score assessment

Valentin Markus Schulte / Kanzlei Dr. Thomas SchultePrivate credit agencies, including above all the market leader Schufa Holding AG with data on 67.9 million private individuals alone, have a considerable influence on all central areas of people’s lives in Germany and thus on the securing of the dignified minimum subsistence level, the basic legal guarantee of which is derived from Art. 1 Para. 1 GG in conjunction with Article 20 (1) GG includes both “the physical existence of the human being, i.e. food, clothing, household goods, housing, heating, hygiene and health, as well as the safeguarding of the possibility to maintain interpersonal relationships and to participate to a minimum degree in social, cultural and political life […].” (BVerfG, judgment of February 9, 2010, 1 BvL 1/09, 1 BvL 3/09, 1 BvL 4/09, para. 135.) exists. In today’s world, a cell phone contract can probably also be regarded as securing the minimum subsistence level. Without it, people are excluded from both private and professional interpersonal relationships. This raises the question of proportionality.

Creditworthiness determines contract conclusions and conditions

Nowadays, credit ratings go beyond the original purpose of credit protection. Particularly in the case of everyday legal transactions where consumers enter into a monthly commitment (e.g., cell phone or rental contracts), the company’s decision usually depends on the Schufa score. The consumer is thus denied elementary needs such as communication or an apartment. This can lead to a vicious circle that ultimately has to be absorbed by the social security system. This can be neither in the interest of the state, nor in the interest of companies, nor in the interest of citizens.

Strengthening consumers through stricter controls

The LEFT’s motion calls for private-sector companies, such as Schufa Holding AG, to be subject to stricter controls by data protection supervisory authorities. In particular, the calculation of the Schufa score is to play an important role here, so that arbitrariness and errors on the part of Schufa can be better checked and, if necessary, remedied.

The motion of the LEFT seems to address an important issue in this case, but it is assumed that it will not go beyond the status of an initiative due to the assessment of other parliamentary groups.

Affected parties therefore continue to have the option of taking action against Schufa both out of court and in court by means of a lawyer who examines the individual case.

V.i.S.d.P.:

Valentin Markus Schulte

economist, stud. iur  

 

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